... die Sache mit facebook

Manchmal bin ich auf facebook. Währenddessen schaue ich mir selber zu, wie es mich hin und her reißt zwischen blankem Entsetzen über Krieg, Elend, Terror und tiefer Sehnsucht nach Vollkommenheit, die mich beim Lesen der mit schönen Bildern hinterlegten Weisheitssprüche überkommt.


Ich wünschte, ich wäre Superwomen, die dem Grauen ein für alle mal ein Ende setzen oder eine Erleuchtete, die dem All-eins-sein nicht mehr entkommen könnte.

 

Beides bin ich nicht.

 

Ein schaler Geschmack von Machtlosigkeit nistet sich ein. Soviel kann ich gar nicht spüren, wie das Einzelne im Runterscrollen in mir auslöst.

 

Handlungsspielraum hab ich da drin auch keinen. Mein Kopf hat die Größe einer Melone und der Rest meines Körpers baumelt winzig klein daran.

 

Eine säuerliche Resignation macht sich im Hintergrund breit und das dumpfe Gefühl nicht zu genügen.

Ich schalte den PC ab.

 

Der Alltag geht weiter, viel zu tun, zu erledigen, zu arbeiten, zu versorgen, zu bewältigen, zu sehen, zu hören, zu freuen, zu ärgern, zu hinterfragen, zu planen, zu ... zu viel, um so lange beim Einzelnen zu verweilen, um Ganz damit werden zu können.

 

Müde macht mich das alles, erschöpft.

Ich ziehe die Eurythmiepatschen an.

 

Auch das noch! Anstrengend, Überwindung, keine Lust - es fühlt sich an, als müsste ich einen Abgrund überqueren, um das überhaupt tun zu können.

 

Trotzdem.

 

Es spürt sich an, als wäre es etwas Subversives*!

 

Langsam beginne ich einen Fünfstern zu laufen, nehme wahr, wie mich die gedachten Tangenten des Fünfsterns erfassen, mich mitnehmen, lichte Strahlen durch mich durch ziehen und mich auf den nächsten Platz tragen. Übend beuge und strecke ich mich zu Worten, forme mit meinen Armen, Händen und Beinen Laute, gebe all mein Empfinden, Tun und Denken hin an nur Eines. Ich schmecke, berühre, bewege, umschließe es und komme immer mehr bei mir selber an. Ich muss nichts können, ich brauch nur da sein, es tun.

Ich spüre mich und spüre mich weit über mich selbst hinaus.

Verbunden. Ich und Es sind ganz geworden.

 

Beim Ausziehen der Patschen bin ich plötzlich glücklich.

Endlich habe ich mich wieder als Geschöpf und Schöpferin zugleich erlebt.

Das Subversive zahlt sich aus, denke ich - ich hab mein Menschsein wieder. Klar und erfrischt fühle ich mich im Körper, im Herz, im Kopf. Auch wenn ich nicht Superwomen oder erleuchtet bin, so bin ich doch genug, zuversichtlich und wieder in meiner Kraft und Macht.

 

Oft subversiv werden, denke ich, so oft als möglich!

 

*Subversiv= sich oder etwas aufrührerisch, aufsässig, umstürzlerisch, der bestehenden

(Un-)Ordnung entgegenstellen. /nach Duden.de


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