HUM HAM HEM HIM

Als ich vor 18 Jahren das erste Mal eine Sprachgestaltungsstunde hatte, dachte ich, ich würde auf der Stelle im Boden versinken.


Vor mir stand eine ältere, äußerst temperamentvolle Sprachgestalterin, die aus voller Kehle und vollem Herzen Rudolf Steiners "HUM HAM HEM HIM" schmetterte. Ich sollte das auch so machen oder jedenfalls so ähnlich.

 

Der Boden tat sich auf - ich konnte das nicht!

 

Natürlich konnte ich diese Wörter sagen, - aber eigentlich doch nicht und damit meine ich nicht die technische Seite dieser Übung.

 

Vor jeder Stunde - und ich hatte während meines Studiums viele dieser Stunden, wurde mir ganz anders - eine einzige Qual.

 

Ich fühlte mich dieser Welt der Laute nicht gewachsen und hatte entsetzliche Scham, diese, auch in mir selbst lebende Sprachwelt, nach außen zu bringen.

 

Sprache kannte ich bis dahin als etwas stilles, schönes, das ich (vor)lesen konnte, dem ich im Theater ergriffen lauschen konnte oder etwas, womit ich Informationen und Gefühle weitergeben konnte. Aber was mir hier abverlangt wurde, ging weit über das alles hinaus.

 

Ich machte weiter. Was blieb mir auch anderes übrig, wenn ich Eurythmistin werden wollte.

Nach einem halben Jahr wurde die Pein eines Tages so groß - ich sollte Lessings Fabel vom krächzenden Pfau erzählen - dass ich beinahe körperlich in ihr versank.

 

Im Sinken wurde mir, völlig resignierend ob meiner eigenen Unfähigkeit und Angst, alles egal und ich krächzte los. Ich krächzte den Pfau aus mir heraus und plötzlich war da etwas anderes.

Lust!

Ich versank in eine Welt der Sprach-Lust und tauchte bis heute nicht mehr aus ihr auf.


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